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Drache und Schmetterling Eine Gegenüberstellung

Aktualisiert: 24. März

Die Wechselwirkung der europäischen mit der japanischen Kunst


Inhalt


Vorwort


  1. Rückblick zum Ende des 19. Jahrhunderts

1. 1. japanische Geschichte

1. 2 europäische Geschichte


2. Vorstellung der Kunstmedien

2.1. Holzschnitt

2.2 Radierung


3.. Beispiele der Beeinflussung

3.1. Zwei Bilder ein Inhalt Katsushika Hokusai/ Horst Janssen

3.2 Die Komposition Claude Monet, Edouard Manet


Nachwort


Anhang



Vorwort


West und Ost, Europa und Asien, zwei Kulturen und Mentalitäten die gegensätzlicher kaum sein können.Nicht nur ästhetisches Empfinden, Lebensauffassung und Ausdruck in der Kunst unterscheiden sich gravierend und lassen den Schluss zu, dass ein Vereinen unmöglich ist. Dennoch scheinen sich beide kulturellen Ansätze auf eine sehr subtile Art und Weise zu ergänzen. Geprägt von dem Versuch die „andere Seite“ nicht nur zu verstehen, sondern eventuell auch von ihr zu lernen und deren Andersartigkeit als Quell für Inspiration zu nutzen, war und ist Grundlage gewesen um im Kreativen Gestaltungsprozess neue Wege zu gehen und Dinge durch eine Andersartigkeit interessanter zu machen.

In dieser vorliegenden Arbeit möchte ich versuchen die beiden Kulturen zu untersuchen inwiefern ein Austausch an Wissen bereits statt findet und vielleicht im Untergrund, an der Basis künstlerischen Schaffens gewirkt hat.Hier soll die Untersuchung des Austausches auf das Gebiet der Grafischen Kunst, in Form der Reproduktionsverfahren Holzdruck, Radierung Malerei und Zeichnung, beschränkt werden. Zunächst wird zum Verständnis des Hintergrundes ein kurzer geschichtlicher Überblick über die Zeit um 1900 gegeben, damit die äußeren Umstände und deren eventuelle Einflussnahme auf den Künstler verstanden werden können

Nach einer kurzen Vorstellung der Druckverfahren, wird anhand von Bildern ein Beispiel geliefert, in deren Analyse eine Wechselwirkung deutlich wird.


1.1 Japanische Geschichte um 1900


1867/68 fand die Tokugawa Ära in der Meiji Restauration ihr Ende. Der Kaiser Meiji zog von Kyoto nach Tokyo, das die neue Hauptstadt Japans wurde; seine kaiserliche Macht wurde wiederhergestellt. Die effektive Macht lag aber in den Händen einer Gruppe von Adligen und ehemaligen Samurai. Das neue Japan war fest entschlossen, den Rückstand zu den westlichen Mächten auf den Sektoren Wirtschaft und Militär wettzumachen. Drastische Reformen wurden in fast allen Gebieten durchgeführt.

Die neue Regierung wollte aus Japan einen demokratischen Staat im westlichen Stil machen. Die sozialen Abgrenzungen der Edo Periode wurden allmählich abgebaut. Die Samurai gingen dabei als Verlierer hervor, da sie alle ihre Privilegien verloren. Die Reformen beinhalteten auch die Einführung von Menschenrechten, sowie die Religionsfreiheit, die 1873 ausgerufen wurde.

Um die neue Regierung zu stärken, mussten die ehemaligen Daimyo (Feudalherren) all ihr Land dem Kaiser übergeben. Dieser Prozess wurde 1870 abgeschlossen und wurde gefolgt von der Neustrukturierung Japans in Präfekturen.Das Schulsystem wurde nach dem französischen und später deutschen System reformiert. Unter diesen Reformen war die Einführung von obligatorischer Grundausbildung.

Nach etwa ein bis zwei Jahrzehnten intensivster westlicher Modernisierung, fand ein Wiederaufleben von konservativen, nationalistischen Gefühlen statt: die konfuzianistische und shintoistische Prinzipien, und das religiöse Verehren des Kaisers wurden an den Schulen stärker betont.Das Aufholen auf dem militärischen Sektor war natürlich eine hohe Priorität der Regierung in einer Ära von europäischem und amerikanischem Imperialismus. Wie viele asiatische Völker wurden auch die Japaner dazu gezwungen, unausgeglichene Abkommen mit den westlichen Mächten zu schließen. Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt, und eine neue Armee wurde nach dem preußischen, und eine neue Marine nach dem britischen Modell aufgebaut.

Um die fast vollständig landwirtschaftliche Wirtschaft der Edo Periode in eine entwickelte, industrielle Wirtschaft zu wandeln, wurden viele Leute ins Ausland geschickt, um die westlichen Wissenschaften und Sprachen zu erlernen. Viele ausländische Experten wurden auch nach Japan geholt.Auf dem politischen Sektor erhielt Japan 1889 seine erste Verfassung nach europäischem Stil. Ein Parlament, der Diet wurde eingerichtet, aber der Kaiser blieb der Souverän des Landes: Er stand an der Spitze von Armee, Marine und der Exekutive und Legislative. Die Clique (genro) behielt die effektive Kontrolle aber inne, während der intelligente und fähige Kaiser Meiji praktisch alle Ihrer Taten unterstütze.

Interessenskonflikte in Korea zwischen China und Japan führten 1894-95 zum ersten Sinto- japanischen Krieg. Japan schlug China, erhielt Taiwan, wurde aber von den westlichen Mächten dazu gezwungen, einige andere gewonnenen Territorien wieder abzugeben. Diese Handlung veranlasste die Japaner, die Aufrüstung ihrer Streitmächte weiter zu beschleunigen.Neue Interessenskonflikte in Korea und der Mandschurei, diesmal zwischen Russland und Japan führten zum Russ-japanischen Krieg 1904-05. Die japanische Armee ging auch aus diesem Krieg als Sieger hervor und gewann neben Territorium schließlich auch internationalen Respekt. Japan verstärkte darauf auch seinen Einfluss in Korea und annektierte das Land im Jahr 1910.In Japan verursachten die militärischen Erfolge eine weitere Stärkung des Nationalismus.Im Jahr 1912 starb der Kaiser Meiji und die Ära des Genro (regierende Clique) ging dem Ende entgegen.Durch westliche Einflüsse beeinflusst, wurde auch in kultureller Hinsicht Japan einem Wandel unterzogen. Viele technische Innovationen und deren Möglichkeiten führten dazu, dass viele alte traditionelle Handwerkskünste und religiös geprägte Eigenarten verloren gingen .Hierzu gehört unter anderem die später beschriebene Kunst des Farbholzschnittes. Die Fotografie war ein neues schnelleres Mittel um effektiv darzustellen. Traditionelle Themen wie Sumo, Samurai, Shinto und Gaisha wurden uninteressant für die nachzuholende Modernisierung des Landes. Damit einher begann auch das Wissen über die traditionellen Handwerkskünste verloren zu gehen und neue Medien eroberten die Gestaltung.


1.2 Europäische Geschichte um 1900


Umstände prägen einen Menschen. Sie beeinflussen dessen Handeln und Wirken in seinem Schaffen, seinem Medium. So möchte ich im Folgenden die historischen Begebenheiten beschreiben die auf den Künstler in Europa einwirkten.Die Jahrhundertwende, also die Zeit um 1900, soll hierbei betrachtet werden

Die Mittelschicht war stark von den demokratischen Idealen der Französischen Revolution beeinflusst. Außerdem brachte die Industrielle Revolution tief greifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen, und die Arbeiterschicht wurde von sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Ideen zunehmend beeinflusst, besonders von den Theorien, die von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 zusammengefasst worden waren.

Weitere Destabilisierung kam durch die Gründung nationalistischer Bewegungen unter anderem in Deutschland, Italien und Polen, die die nationale Einheit und/oder die Befreiung von Fremdherrschaft forderten. Als Folge all dessen gab es in der Zeit zwischen 1815 und 1871 eine stattliche Anzahl von Umsturzversuchen und Unabhängigkeitskriegen (siehe auch Julirevolution 1830, Februarrevolution 1848, Märzrevolution 1848/1849).

Auch wenn die Revolutionäre oft besiegt wurden, waren 1871 die meisten Staaten nicht mehr absolutistisch, sondern hatten eine Verfassung erhalten. Deutschland wurde 1871 nach den drei deutschen Einigungskriegen (1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/1871 gegen Frankreich) in Versailles zum deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt. Ähnlich wie in Deutschland wurde nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen in den italienischen Fürstentümern der italienische Nationalstaat von oben als Königreich Italien unter sardinischer Führung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Österreich durchgesetzt.1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour spielte für Sardinien und Italien eine ähnliche Rolle wie Bismarck für Preußen und das Deutsche Reich.In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser Napoleon III. in Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen Preußen und den Norddeutschen Bund zur Ausrufung der 3. französischen Republik.Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der Großmächte Zentraleuropas, insbesondere des Deutschen Reiches, Frankreichs und Englands bestimmt. Diese Konkurrenz führte unter anderem zu einer verstärkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem Rüstungswettlauf, dem Kampf um Kolonien vor allem in Afrika und Asien (Imperialismus) und zu einer Überhöhung des Nationalismus.Diese Entwicklungen führten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des Bismarckschen Bündnissystems, das bis 1890 für eine gewisse zwischenstaatliche Stabilität gesorgt hatte, unter Kaiser Wilhelm II. zum 1. Weltkrieg. (Zitat 1 )


2.1 Holzschnitt


In vielen Kulturen erkannte man schnell die Vorteile dieser relativ einfachen und leicht umzusetzenden grafischen Drucktechnik, bei der ein reliefartiger hölzerner Druckstock benutzt wird. Als Ausdruck seiner künstlerischen Idee möchte ich jedoch speziell auf den in Japan entstandenen Druck eingehen (jap. Ukiyo-e). Entstanden ist er in Japan zur einfachen Vervielfältigung der Schriften Buddhas und daher überwiegend den Tempeln und Klöstern praktizierender Mönche dieser Glaubensrichtung vorbehalten gewesen. Erst später kommen auch andere Sujets hinzu. Diese waren neben Naturbildern vor allem Themen der „vergängliche Welt“ die das alltägliche Leben zeigen: Erotische Szenen, Bilder aus der Welt der Geishas, Porträts von Schauspielern und Sumo-Ringern.

Der japanische Farbholzschnitt wurde arbeitsteilig von Zeichner, Holzschneider und Drucker hergestellt. Für den Druckprozess wurden bis zu 12 Platten und mehr geschnitten, was ein höchst präzises Arbeiten voraussetzte.Zur Herstellung des Druckstocks werden von einem glatt gehobelten Holzbrett mit Schneidemesser die nichtdruckenden Teile entfernt und die erhabenen Teile eingefärbt und abgedruckt (Hochdruck). Der Abdruck erfolgt durch Handabreibung anhand eines Falzbeines oder durch eine Druckpresse.


Zur Herstellung des Druckstocks:


In der Regel wird ein Holzblock aus Kirschbaumholz so zugeschnitten, dass eine etwa zwei bis vier Zentimeter starke Platte entsteht. Sie wird sorgfältig gehobelt, geschliffen und geglättet, bis die vollkommen plane Fläche mit einer Grundierung, meist einer dünnen weißen Kreideschicht, überzogen werden kann. Auf dieser Kreideschicht wird in der Regel vom Künstler die Vorzeichnung angebracht, oder nach einer Zeichnung auf Papier, mittels Tusche übertragen. Daraufhin werden mit unterschiedlichen Messern die vorgezeichneten Linien genau umschnitten. Am Ende bleiben die Linien und Flächen der Zeichnung als Grate, Stege oder Inseln stehen. Bei einem Einfarben- Druck wäre die Platte nun fertig zu Drucken. Im Laufe der Entwicklung wurde die Technik aber dahin gehend verfeinert, dass auch Drucke mit 4-5 Farbentönen entstehen konnten. Wesentlich aufwändiger wurde nun pro Farbe eine separate Druckplatte angefertigt.


Der Druck


erfolgt, indem der Holzstock einem saugfähigen, also ungeleimten und leicht angefeuchteten Papier aufgepresst wird, das dadurch die Farbe aufnimmt.

Wie bei der Kalligraphie wird immer zuerst mit schwarzem Tuscheschwarz, Sumi, gedruckt.Anschließend werden in beliebiger Reihenfolge die anderen Farben mit den entsprechenden Holzblöcken aufgetragen.

Nach jedem Druck -Ablauf müssen die Platten neu eingefärbt werden.




2.2 Radierung



Nach dem Vorstellen des Holzschnittes, welches als traditionelle Darstellungsmöglichkeit japanischer Künstler angesehen werden kann, soll hier nun die Radierung, klassisch für europäische Künstler, vorgestellt werden. Als Grundlage soll hierzu das Buch von Horst Janssen „Hokusai ́s Spaziergang“ (siehe Literatur) (Literaturangabe siehe Anhang) dienen. Auf eindrucksvolle Weise beschreibt Janssen darin wie er auf eine, leichte spielerische Weise den doch komplizierten Entstehungsprozess einer Radierung umsetzt und seinen Werken eindrucksvoll Leben verleit.

Erscheint der Arbeitsprozess auf den ersten Blick unkompliziert und simpel, braucht es doch ein gehöriges Maß an Kunstfertigkeit, Übung und schließlich Erfahrung um das angestrebte Motiv darzustellen.


Zur Entstehung:


Im Entstehungsprozess werden unterschiedliche Ätzmethoden angewandt.Es sind die Stichätzung von linearen Abbildungen, die Flächenätzung zur Darstellung von Flächen und Schattierungen unterschiedlicher Helligkeit und die Kaltnadelradierung.

Bei der Strichätzung kommt ein Prüfgerät für Juweliere und Uhrmacher zum Einsatz.Für die Flächenätzung wird der Untergrund punktiert oder Flächig mit Schleifmitteln bearbeitet.

Die Kaltnadel kann eine spitze Sicherheitsnadel sein.Zur Ätzmethode:Nachdem der möglichst glatte, polierte Ätzgrund (Kupfer oder Zink) fettfrei vorbereitet wurde, wird eine dünne, gleichmäßige Schicht aus einem Gemisch von Terpentin und Asphaltlack über Kreuz aufgetragen und für ca. 1 Stunde getrocknet.

Danach wird mit der Radiernadel in die Beschichtung gekratzt um das Metall frei zu legen.Die Metallplatte wird in dem nun folgenden Vorgang mit 80% er Salpetersäure, verdünnt mit 3-5 Teilen Wasser, geätzt.

Dabei wird je nach Dauer und Intensität der Säure, Metall weggeätzt. Nach dem Entfernen der Schutzschicht mit Terpentin kann das Resultat nun begutachtet werden. Sollen jetzt weitere Detail oder Effekte wie eine Ätzung der Flächen anderer Ausprägung erzielt werden, müssen nun die fertigen Bereiche erneut mit dem Lack überzogen werden um diesen Teil vor der weiteren Ätzung zu schützen.

Sind alle Bestandteile der Radierung in zufrieden stellender Weise angelegt kann das Auftragen der Druckfarbe erfolgen. Diese erst feste Farbe wird erwärmt und auf die ebenfalls erhitzte Druckplatte aufgetragen. Die tiefer liegenden Rillen erzeugt durch das Abtragen der Säure, werden dabei mit Farbe gefüllt.Wichtig ist hierbei das gleichmäßige Auftragen mit Stoff und Handballen um nur in den Vertiefungen Farbe anzulegen. Stellen die später auf dem Bild Weiß bleiben sollen müssen frei und blankes Metall zeigen.

Jetzt kann das Drucken erfolgen. Hierbei kommt es wesentlich auf das Können des Druckers an, der wohl vertraut sein muss mit dem zu erzielenden Ergebnis.Das angefeuchtete Papier (nach Janssen: „klamm“) wird auf eine Filzunterlage gelegt, mit der erwärmten Radierplatte bedeckt und durch eine Spindel ähnlich einer Wäschespindel gezogen. Diese presst die Platte mit eingeriebener Farbe auf das Papier und überträgt das Bild.

Nach dem Abziehen des angeklebten Papiers wird selbiges zum Trocknen zwischen zwei Pappen gelegt. Für jeden weiteren Druck ist eine Wiederholung der Prozedur, also Auftragen der Farbe, Erwärmen der Platte und Pressen notwendig.


3. Beispiele der Beeinflussung


Ab 1850 gelangten japanische Farbholzschnitte von besonders hohem technischem und künstlerischem Niveau in großer Stückzahl nach Europa und beeinflussten zahlreiche europäische Künstler.Dem französischen Maler Felix Bracquemond wird zugeschrieben, 1856 als erster den künstlerischen Wert des japanischen Farbholzschnittes entdeckt zu haben, nachdem er einige Arbeiten von Katsushika Hokusai gesehen hatte. Vor allem Impressionisten wie z. B. Claude Monet und Edouard Manet fühlten sich in ihren eigenen Theorien über Farbe und Form bestätigt und zogen gleichzeitig neue Anregungen daraus. Der Japanische Farbholzschnitt prägte darüber hinaus aber auch die Künstler des Nabis- Kreises und die frühen Expressionisten, wie beispielsweise Paula Modersohn-Becker.

Im Folgenden die Analyse zweier Bilder in denen eine erste Wechselwirkung sichtbar wird.


3.1 Zwei Bilder ,ein Inhalt




Das linke Bild ist eine aquarellierte Bleistiftzeichnung vom deutschen Künstler Janssen, das Rechte ein Holzschnitt des Japaners Hokusai.

Jeweils in unterschiedlichen Medien, einer farbigen Zeichnung und als Druck in schwarz-weiß.

Das obere Bild diente als Vorlage und zeigt auf einer Doppelseite einen Krieger der von rechts mit weit ausholendem Schwert von einem Abhang aus, einen anderen zu Boden stürzenden Kontrahenten attackiert. Dieser -sich verzweifelnd wehrend- fällt in das Gewässer am Rand hinter ihm. Ursprünglich als Hochformat gedacht, wandelt es Janssen in ein Querformat um und stilisiert es so als Arabeske des Kampfgeschehens. (Zitat 2)

Jetzt stellt sich die Frage, warum ein hochbegabter und erfolgreicher Künstler wie der gebürtige Oldenburger einen Anderen, zwar im Detail etwas abgeändert, nachahmt.

Nun diese Frage lässt sich vielleicht dahingehend erklären, dass er durch sein Studium beeinflusst, einer Ideologie gefolgt ist, die einem Europäer eher als zu einfach und unbedarft vorkommen mag.

Dennoch lässt sich hier ein erstes Anzeichen einer Übernahmen von Kunst- und Kulturgeschichtlicher Hintergründe einer Kultur und deren Adaption erkennen. Nahe liegt es, die meistens als schändlich interpretierten Nachahmungen nicht nur vieler Designer, sondern auch in diesem Falle eines Künstlers, eines Werkes als Plagiat zu strafen.Doch muss vor dem schnellen Urteil eben eine Andersartigkeit erkannt und verstanden werden.Nach jap. Tradition kopiert der Lehrling seinen Meister. Er verinnerlicht durch das Nacheifern dessen Werkes, die mentalen sowie praktischen Vorgänge die zur Entstehung notwendig sind und ist dann bereit auch neues hinzuzufügen. Es kommt zu einem Dialog der durch die vermeintliche Kopie entsteht.Nach Egon Friedell gibt es nur eine kleine Anzahl von unveränderlichen Wahrheiten...Verschiedenartig ist nur die Stellung, die der einzelne Mensch zu diesen Wahrheiten einnimmt: Der Durchschnittsmensch zweifelt sie an, das Talent macht den Versuch, sie zu vermehren, das Genie wiederholt sie (Zitat 3)

(3)


Ohne den Zwang zur Originalität findet das als gültig erkannte, in dem ostasiatischen Umgang mit einer rituellen Wiederholung alter Meister, hier sein Ebenbild.


3.2 Die Komposition


Kennzeichnend für den klassischen japanischen Holzschnitt sind einfarbige Flächen mit stilisierten Konturen, wodurch der Flächencharakter des Bildes betont wird. Räumlichkeit findet ihren Ausdruck durch sich überlagernde und überschneidende Gegenstände. Ein Bildmittelpunkt fehlt und lädt damit den Betrachter ein, den Blick über die dekorativ aufgefasste Bildfläche wandern zu lassen.

Häufig finden sich auf den Drucken auch ungewöhnliche Blickwinkel und am Bildrand angeschnittene Figuren. Viele Impressionisten griffen diese Art der Komposition auf die ihrer Auffassung von Bildkomposition der abendländischen Tradition vollkommen entgegengesetzt war.




Claude Monet (1840-1926)

Das Seerosenbild von Claude Monet


Mit Erlaubnis der Gemeinde leitete Monet den kleinen Fluss um und legte seinen berühmten Wassergarten an. In diesem Garten befindet sich die grüne japanische Brücke, die ebenso wie die Seerosen des Teichs Motiv auf vielen von Monets Bildern sind. Hier entstand die Serie seiner großformatigen Seerosenbilder, die Grandes Décorations des Nymphéas, heute im Besitz des französischen Staates und ausgestellt in der Orangerie der Tuileries.

Bunte Farben, flächige Bildelemente und die konturenhafte Darstellung der Brücke als Bildinhalt zeigen den japanischen Einfluss.



Edouard Manet (1832-1883)


Der Erste europäische Maler, der von der japanischen Kunst und ihrer Art der Behandlung von Szenen des Alltagslebens beeinflusst wurde. Ihm waren Hokusai ́s Mangas bekannt und im Hintergrund seines Zola – Portraits ist ein japanischer Wandschirm und ein Schauspieler- Farbholzschnitt zu sehen. In Seinen Bildern reduziert er die perspektivische Darstellung, und anstatt die Farbe zu schattieren, abzustufen und räumlich zu modellieren, wie es die akademische Malweise verlangte, malte er flach wirkende einheitliche Farbflächen, wie sie auf japanischen Holzschnitten zu sehen sind (Zitat 4)

Portrait Emile Zolas (1876)



4.Nachwort


Die Erkenntnis, dass es auch fern der europäischen Kultur Ansätze gibt die eine andere Wahrheit beinhalten. Diese ist im Fall der japanischen in kulturgeschichtlicher Hinsicht weit älter und damit gereifter, als jene im Westen vorherrschende.Japan , völlig isoliert und abgekapselt von der restlichen Welt und ihren Einflüssen während der Edo Periode (1603 – 1867),hatte vielleicht damit Zeit Kulturell unabhängig zu gedeihen und zu wachsen- eine Evolution aus sich hinaus.Ein Zitat von Horst Janssen zur Vorstellung des großen Bandes zur „Kopie“ am März 1977:

..„Das Hineinschlüpfen in eine andere Handschrift- das Zu und Hinhören auf die Mitteilung eines Weitvorausgeeilten- das Vergessen des eigenen Ich- das ist: Das sich selbst verlieren wollen- das sich vergessen- um sich immer aufs neue wieder zu finden“...

Interessant und neuartig sollte Geschaffenes sein.Das Aufgreifen der japanischen Vorstellung von Bildgestaltung lässt nicht nur ein kulturelles Verständnis entstehen, sondern auch eine tief greifende Qualität ,die vielleicht im Zusammenführen von Gegensätzen reizvoll Neues schafft kann.Diese Erkenntnis lässt sich aus der Analyse und dem Vergleich so unterschiedlicher künstlerischer Inhalte wie dem westlichen und östlichen Bild der Darstellungsweise von Kunst gewinnen.


4. Anhang Literatur


Janssen, Horst

Hokusai ́s Spaziergang

Hamburg, Verlag Hans Christians 1972

Cawthorne Nigel

Ukiyo-e

Die Kunst des Japanischen Farbholzschnitts Augsburg, Battenberg Verlag 1998


Bilder

(1) Janssen, Horst (1929-1995) Hokusai ́s Spaziergang, Radierung ,1. Fassung. 28. Oktober 1971

(2) Janssen, Horst,aquarellierte Bleistiftzeichnung „Gute Reise“ nach Hokusai, 13.März 19712

(3) Hokusai Katsushika (1760-1846) Holzschnitt von Hokusai aus dem Buch „Ehon musashi abumi“ 1836


Zitate(1) Wikipedia Geschichte Europa Stand: 9.06.06

(2;3) Janssen ,Horst Mit gleichsam japanischem Pinsel (Seite 13;5)Katalog zur Begleitung der Ausstellung “Mit dem Pinsel gesehen- Japanische Zeichnung und Malerei des 17-20. Jahrhunderts aus der Sammlung Gerhard Schack “

(4) Die Kunst des Japanischen Farbholzschnitts (siehe Literatur)



Drache und Schmetterling
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